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Bitten, betteln, beten – ein Crowdfunding-Erfahrungsbericht

kopfoderzahltitelKopf oder Zahl ist bislang die einzige Webdoku, die auf der neuen Crowdfunding-Plattform Krautreporter.de Unterstützer sucht. Der Filmemacher und Künstler Lukas Wagner gehört zum Team hinter dem journalistischen Projekt. Auf webdoku.de schildert er seine Erfahrungen mit dem Spendensammeln – und sagt ganz klar: „Crowdfunding ist kein leichter Job!“

Fast 25.000 Euro wurden im ersten Monat auf Krautreporter.de gesammelt. Ein ganz guter Start für die erste Journalismus-Crowdfunding-Plattform im deutschsprachigen Raum. Das Geld der über 500 Unterstützer verteilt sich zur Zeit auf insgesamt zehn Projekte, darunter eine Fotoreportage, ein Buchprojekt, ein Dokumentarfilm, ein Open-Source-Projekt– und auch unsere Webdoku: Kopf oder Zahl.

Lukas Wagner

Lukas David Wagner

Mitte Januar, rund zwei Wochen bevor Krautreporter.de online ging, bekamen wir von Sebastian Esser, dem Gründer der Crowdfunding-Plattform, eine E-Mail: Da Krautreporter.de sich als Finanzierungsplattform für Journalismus aus dem gesamten deutschsprachigen Raum versteht, war Esser noch auf der Suche nach teilnehmenden Projekten aus Österreich. Dabei wurde er auf das Online-Magazin paroli aufmerksam. Hinter paroli stehen junge Journalisten, Mediengestalter, Filmemacher, Web-Entwickler und Künstler, die gemeinsam neue journalistische und formale Wege gehen.

Eine Woche Vorbereitung für das Konzept

Die Möglichkeit mit Hilfe von Crowdfunding Projekte zu finanzieren war bei paroli schon seit einiger Zeit ein Thema. Die paroli-Webseite war jedoch schon fertig aufgebaut, die Infrastruktur vorhanden. Diese bereits geleistet Arbeit im nach hinein per Crowdfunding zu finanzieren, machte wenig Sinn. Die Anfrage von Krautreporter, uns mit einem eigenen Projekt beim Start der Seite zu beteiligen, war der Anstoß für Kopf oder Zahl.

Innerhalb einer Woche entstand das Konzept, ein erster Finanzierungsplan und ein Teaser-Video für Krautreporter. Um das sowohl inhaltlich, als auch formal komplexe Thema anschaulicher zu gestalten, wollen wir gerade im Video lebensnahe Beispiele liefern: Konkrete Geschichten (Kopf) und die dazugehörigen Statistiken (Zahl) werden im Teaser-Video mit Hilfe einer fiktiven Biographie präsentiert. In einem zweiten Teil werden das Konzept und die Redaktion, die hinter Kopf oder Zahl stehen, vorgestellt.

4000 Euro waren – und sind – das angestrebte Ziel des Crowdfunding-Projekts. Eine Summe, die gerade in der Startphase dringend benötigt wird, um erste konkrete Geschichten und Daten zu sammeln, Kooperationen zu planen und die Webseite zu entwerfen. Die ersten Tage nach dem Launch von Krautreporter waren vielversprechend: Schnell kamen über 600 Euro zusammen. Ein guter erster Schritt. Viele Medien berichteten über die neue Crowdfunding-Seite – die taz, die Süddeutsche Zeitung, der Standard, die Presse und mehr.

Ernüchterung nach einer Woche

Nach rund einer Woche kam jedoch die Wende für unser Projekt: Bei rund 1000 Euro blieb der Finanzierungsbalken hängen. Freunde von Freunden von Freunden waren bereits informiert, manche hatten uns unterstützt, die meisten jedoch nicht. Genau das hatten wir (außerhalb der paroli-Redaktion) wenige Wochen zuvor bei einem anderen Crowdfunding-Projekt bereits erlebt: nichts geht mehr. Weiter zu twittern, weiter auf Facebook zu teilen und liken hilft in diesem Fall wenig.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage: warum will das Projekt nicht, wie ich es will? Wieso haben andere Projekte mehr erfolg? Was hätten wir anders machen sollen?

Mögliche Antworten gibt es viele. Im wesentlichen gibt es aber zwei grundlegende Faktoren, die den Erfolg eines Crowdfunding-Projekts beeinflussen: das Projekt selbst und die Crowd, also die möglichen Unterstützer. Gibt es es eine Fangemeinde für das Projekt? Bands, Sportvereine oder lokale Projekte tun sich da sicher leichter – und gleichzeitig ist das unser größtes Manko. Eine Webdoku die den gesamten europäische Raum mit einschließen soll hat eine gewisse definitorische Unschärfe. Es ist nicht leicht die Geschichten, die wir erzählen wollen in wenige Worte zu packen – eben eine Geschichte daraus zu machen. Gleichzeitig ist diese Unschärfe aber ein wesentliches Merkmal von Kopf oder Zahl. Das Projekt ist von vornherein so angelegt, dass es wachsen kann und soll.

Ermutigend war, dass zu diesem Zeitpunkt mehrere Journalisten an uns herantraten und ihre Hilfe anboten – nicht bei der Finanzierung, sondern bei der Umsetzung erster Geschichten und Inhalte. Wir sind genau auf solche Interessierte und Unterstützer angewiesen!

Zieht Offline-Crowdfunding besser als Online-Crowdfunding?

Mittlerweile sind es noch sieben Tage, bis zum Ende der Finanzierungsphase. Mehr als zwei Drittel der anvisierten Summe sind erreicht. Aussagekräftig ist, dass wir 1500 Euro, also rund die Hälfte des Geldes, „offline“ auf einer Benefiz-Party gesammelt haben. Eintrittsbänder zu realen Partys verkaufen sich wohl noch immer besser als virtuelle „Dankeschöns“. Auch unsere Suche nach Sponsoren verläuft vielversprechend. Politische und journalistische Organisationen und Vereine zeigen großes Interesse an Kooperationen. Und im Notfall können wir noch auf Preisgelder, die wir für andere Projekte erhalten haben, zurückgreifen. Sozusagen als Eigenkapitalanteil.

Letztendlich ist es also nicht die große Crowd aus dem Netz, die das Startkapital zur Verfügung stellt. Es ist viel mehr eine Mischung aus großzügigen Freunden und deren großzügigen Freunden, auf einer Party gesammelten Spendengeldern und wenn es gut läuft ein oder zwei größeren Sponsoren.

Es ist ein kein leichter Job, das Crowdfunding.

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Das Team um Kopf oder Zahl freut sich über Interessierte, Journalisten, Reisende, Europafans, die Lust haben bei dem Projekt mitzumachen. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich jederzeit mit Lukas in Verbindung setzen: lukas.david.wagner@gmail.com

 

5 Responses to “Bitten, betteln, beten – ein Crowdfunding-Erfahrungsbericht”

  1. Lelala sagt:

    Interessanter Artikel.
    Wenn man nicht gerade „das nächste Google“ o.ä. bauen will, hat man es mit dieser Finanzierung tatsächlich schwer.
    Auch bei diesem Instrument zeigt sich halt: Das Kapital fliess da hin, wo es die höchste Rendite bringt…

  2. Lukas sagt:

    info: haben das Finanzierungsziel erfolgreich erreicht, auch ohne noch selbst was beisteuern zu müssen.

  3. […] Barth, P. (2013), Bitten, betteln, beten – ein Crowdfunding-Erfahrungsbericht, aufgerufen am 10.01.2014 von http://webdoku.de/2013/03/06/bitten-betteln-beten-ein-crowdfunding-erfahrungsbericht/ […]

  4. Mira sagt:

    Fein, daß das Finanzierungsziel erreicht wurde, leider zeigt sich immer wieder,
    daß nach sogenannten Mustern nur dort oft Geld verliehen wird, wo die meiste
    Rendite herauszuholen ist, so bleien viele interessante und auch nachhaltige Projekt dann in den Schubladen liegen. Man sollte eine nachhaltige Finanzierung unterstützen!

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